Damenwahl im Rehrevier: Wenn Rehe „blind vor Liebe“ werden

Gemeinde Hengsberg - GEMEINDE24

 

Mitten im Hochsommer, von Mitte Juli bis Anfang August, spielt sich vom Norden bis zum Süden eines der auffälligsten Naturschauspiele ab: die Rehbrunft. In dieser Zeit scheinen vor allem Rehböcke wie ausgewechselt – rastlos, unvorsichtig und, ja, ein bisschen „blind vor Liebe“.

 

Wildbiologisch ist das schnell erklärt: Jetzt geht es um Fortpflanzung, und dafür wird fast alles andere zurückgestellt. Hat ein Bock eine brunftige Geiß gefunden, bleibt er oft stunden- oder tagelang an ihrer Seite. Dabei entstehen die typischen „Hexenringe“ – niedergetretene Schleifen im Gras, die zeigen, wie intensiv dieses Werben abläuft. Romantisch ist das weniger, eher ausdauernd und ziemlich schweißtreibend.

Auffällig ist auch: Während sie sonst eher dämmerungs- und nachtaktiv sind, sieht man sie jetzt auch in der Mittagshitze über Wiesen ziehen. Der Grund ist simpel – die innere Uhr wird von Hormonen überstimmt. Fressen? Nebensache. Vorsicht? Wird heruntergefahren. Hauptsache, die Geiß geht nicht verloren. Aber auch die Rehdamen sind durchaus aktiv. Ganz nach dem Motto „Damenwahl“ verlassen sie ihre gewohnten Einstände, um den Rehbock ihrer Wahl aufzusuchen.

Genau hier kommt das „blind vor Liebe“ ins Spiel. Die Fixierung auf die Geiß ist so stark, dass andere Reize in den Hintergrund treten. Das führt leider dazu, dass Böcken, Geißen und die in dieser Zeit zeitweise führungslosen Kitze in dieser Zeit häufiger Straßen queren, ohne das gewohnte „Sichern“. Für uns Verkehrsteilnehmer heißt das: Fuß vom Gas, besonders in den frühen Morgen- und Abendstunden.

Ein oft übersehener Aspekt folgt erst später: die sogenannte Keimruhe. Nach der Befruchtung entwickelt sich der Embryo zunächst nicht weiter, sondern „pausiert“ mehrere Monate. Erst im Winter beginnt die eigentliche Trächtigkeit der Rehgeißen. So kommen die Kitze erst im späten Frühjahr zur Welt – genau dann, wenn die Lebensbedingungen optimal sind. Clever gelöst, könnte man sagen.

Zitat BJM Ing. Mag. Wolfgang Neubauer:

„Die Rehbrunft zeigt damit eindrucksvoll, wie stark das Verhalten von Rehwild trotz unserer Kulturlandschaft biologisch gesteuert ist. Was auf den nichtinformierten Beobachter manchmal kopflos wirkt, hat System in unserer Natur. Umfassend ausgebildete Jägerinnen und Jäger stehen ihnen als kompetente Ansprechpartner Steiermark weit zur Verfügung.“

 

 

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